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G E R D s

E L E V E N T Y

E U R O P A

Eine Vorliebe zu einem Europa der Regionen

für Johannes

 

Wie könnte ein, zunächst mal Mittel-, Europa der Regionen aussehen ?

Unzufrieden mit dem Nationalismus, welcher hierzulande (im Gegensatz zu Ungarn) nicht einmal den eigenen Staat betont, sondern sich bloß als Teil eines größeren ausländischen Reiches betrachtet, habe ich mich auf die Suche gemacht und nicht auf das für manche Leute Nächstliegende zurück gegriffen.

 

Mehrere Gedanken haben meinen Weg gekreuzt:

Die romantische Idee (mit verklärten Blick auf das Mittelalter), dass jedes Volk seinen eigenen König und seine eigene Heimat haben sollte.

Diese habe ich auf mich als Individuum - überhaupt auf das Individuelle - weiterführend bezogen … China als das „Reich der Mitte“ … in einer Quint … bin ich doch der Souverän von China … ganz entspannt … Größenwahn ?
Nö, bei Bedarf nur Selbstbehauptung … ach, geh! … Zudem genügt das eigene Reich, ohne andere beherrschen zu müssen.
(Durch Aufgegriffenes wach geworden ... mich berührende Moll-Terz, mir Platz für den Raum des Gleichgewichtes schaffen und dann etwas beginnen.)

Die Schweiz als Kleinod im Li. Die hat mir früher/immer schon gefallen. Da ist das Einigende keine gemeinsame Sprache, sondern eine Idee, die Idee vom freien Menschen. In der Schweiz hat es weder einen König, noch eine Diktatur gegeben. Angelockt von dieser Idee haben sich die Tessiner (und die Vorarlberger … das wäre doch schön, oder ? …) den Eidgenossen angeschlossen.

Die Mehrsprachigkeit in (m)einer Heimatregion:

So bin ich in meinem Vorschlag zu einer Gebietsverwaltungsreform, worin ich das Wiener Modell auf österreichische Heimatregionen angewendet habe, erwähnt habe, auf die Schweizer Kantone mit dem „Kantönli Geist“ gekommen.

Ein Tirol … das seit Bestehen schon zweisprachig gewesen ist … jenes der gleichnamigen „gefürsteten Grafschaft“ mit dem schönen Wappen.

In Folge dessen überhaupt eigene und ungeteilte Regionen - von Nationalstaaten befreit. An Hand derer der Betrug des Nationalismus sichtbar wird, wo nämlich jene Nation nicht einmal etwas mit einem Volke zu tun hat. Andere Beispiele neben Tirol: Schlesien, Baskenland, Bretagne …, oder die meisten Nachfolger-Staaten der Kolonialmächte, wo deren Grenzen heute noch Völker teilt.

 

Schließlich Deutschland

Erst mal halte ich es für eine Katastrophe, dass Deutschland sich im Lauf der beiden vorigen Jahrhunderte zu einer Nation verdichtet hat. Der Verdichtung ist zuviel gewesen. Dies halten auch manche Schriftsteller nicht für die Aufgabe der deutschen Sprachfamilie in der Welt. Diese Kulturschaft braucht nicht an eine Nation gebunden zu sein.

Denn in der Vergangenheit ist „Deutschland“ ein vielsprachiger Bund von „Staaten“ wie Fürstentümer, Königreiche, Grafschaften, Bistümer und dergleichen gewesen. Der deutsche Kaiser entsprach der Idee nach dem römischen Kaiser eines christlichen Reiches, eines christlichen Mitteleuropas, welchem der Papst als Kirchenoberhaupt gegenüber steht.

Wohl wissend, dass jenes Reich aus dem Mittelalter einer anderen Zeit angehört, aber auf diese Weise bin ich auf weitere Gedanken gekommen: Wenn man schon Staaten braucht und es mir an einem Übergang zwischen Heimatregion (eines Kantons, Departments, Kreises, politischen Bezirkes oder einer Provinz…) fehlt, müssen das dann immer gleich Großmächte sein ?

Gerade durch den eben schon seit tausend Jahren veranlagten Föderalismus mit dezentralen Herrschaften, erscheint mir der Impuls für ein Europa der Regionen doch am stimmigsten aus Deutschland zu kommen - im Übrigen ist da Österreich in jenem Bunde zentralistischer gewesen.

Es braucht mir aus dem Kreis der deutschen Sprachfamilie nicht (mehr) um ein großes Deutschland zu gehen, sondern aus ihr jenen Impuls aufzugreifen, welcher kleinere Regionen, die unserer konkreten Heimaten einfach näher sind und doch eine Brücke zum Überregionalen sein können, hervorhebt.

 

Wie sähe es aus, wenn jeder deutsche Teilstaat ein eigener kleiner Staat (aber keine Nation) wäre, ein buntes Europa, wo sich die Kleinen nicht vor den Großen fürchten müssen, mit Freistädten und -Staaten, und wo sich Sprachfamilien in mehreren Regionen mit wiederum mehreren Sprachen (so wie etwa in der Schweiz oder in Bosnien) finden können … befreit vom alten Nationalstaat ?

Oder die zwölf Regionen des Vereinigten Königreiches, zwischen County als konkrete Heimat und dem Überregionalem ?
Zwölf Kleinstaaten ohne nationalen Charakter, davon Schottland, Wales und schließlich Irland (als Region wiedervereinigt).
Statt von England dominiert, Teil einer vielfältigeren europäischen Gemeinschaft … ?

Wenn wir uns schon von einer Großmacht beschützt wissen wollen, warum dann nicht von einem vereinten Europa ?

Unser Europa anstelle von Großen Nationen und Mächten des vergangenen Jahrtausends, worin sich jede als Zivilisation und Kultur an sich gesehen hat, sowie ihre Religion und Lebensweise als die einzige Richtige für die gesamte Menschheit betrachtet hat.

Wir haben zwei Weltkriege hinter uns … ich hoffe, mal wirklich hinter uns.

 

So habe ich einmal mit den mir näher liegenden Mitteleuropa angefangen … komme ich selbst doch aus einer dieser Regionen.
Manchmal deckt sich mir eine Region mit einem kleinen Volk seiner Sprachfamilie, wie etwa Irland, Schottland, Slowenien oder Friaul.

Da bin ich auch auf Überraschungen gestoßen: Jene Regionen, welche jetzt schon Kleinstaaten, wie etwa Dänemark oder die drei baltischen Staaten, sind, wirken vergleichsweise größer, so als ob diese eine Lupe hervor hebt. Sind sie flächenmäßig größer, so liegt dies an der geringeren Bevölkerungsdichte. So haben etwa Estland, Lettland und Litauen zusammen etwa so viele Einwohner wie Hessen, sind aber in der Fläche zusammen doch halb so groß wie das heutige Deutschland.

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