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Spätestens
seit Corona werde ich (Gerd) immer
wieder in Diskussionen verwickelt, aus
welchen mir weder Lösungen, noch
Erkenntnisse herauskommen, aus welchen alle (oder
zumindest ich) einfach nicht weiterkomme(n). Hierzu
habe ich einen Leserbrief zu Beiträgen aus
einer Zeitschrift gefunden, wie eine Person
derartige Dispute zu Corona erlebt hat
- was ihr und wohl auch mir inzwischen durchaus
auch bei anderen Themen passieren kann:
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Mitdiskutiert
habe ich quasi immer schon, zum Beispiel
vor über vierzig Jahren in Jochis
Jugend-Club in Villach. Schon da habe ich
erfahren (müssen), dass alles relativ
ist und (weniger die Wahrnehmung als
vielmehr) das Gefühl (aus dieser) die
Realität bestimmt. In der
evangelischen Studentengemeinde hat sich
(mir) dies insofern verbessert, als dass
wir mit Herwig auf die Gründe unserer
gefühlsbetonten Muster und Filter des
Verstehens, welche uns die
Realität bestimmt haben, eingegangen
sind. Auch sind da einige von uns mit der
Zeit mehr oder weniger erwachsen
geworden.
Im
Beruf haben sich die Diskussionen auf
konkrete Aufgabenstellungen bezogen, worin
uns ein kreatives Denken möglich
gewesen ist. Da haben wir viel geschafft.
Bis heute erwachsen mir die besten
Diskussionen aus dem
Anforderungsmanagement - und falls ich mal
auf Ideologen gestoßen
bin, habe ich mich auf die
Projektleiter*innen und auf die Direktion
mit gegebenen Entscheidungsstrukturen
verlassen können. Die Diskussionen
zum Briefen und dann zur Lösung von
Anforderungs-Konflikten haben nicht nur
mir, sondern unserem ganzen Team, viel
gebracht.
Dies
zeigt mir ein Dabei
Sein
ist alles, bzw., dass wir am besten
dort, wo wir mit Leib und Seele
persönlich
dabei
sind, mit eigenem Leib und eigenen Sinnen
vor Ort in einer Aufgabe und
Tätigkeit involviert sind, mitreden
und -diskutieren können. Da macht es
gar nichts, dass alles Wissen nur
Stückwerk ist. Vielmehr
beleuchten wir mehrere Aspekte, und gerade
eben - kurz bevor dieser Beitrag
entstanden ist - haben wir in unserem Team
gemeinsam Lösungen erarbeitet
nicht zuletzt, weil wir gemeinsam von ein
und derselben Sache gesprochen
haben.
Außerhalb
des Berufes und dem Kreis meiner Liebe
unter Freunden in Bewegung schaut es
düster aus:
Was
ich einst im Jochis Jugend-Club erfahren
habe, hat sich auf das Allgemeine
ausgedehnt. Uns ist der Grip eines
allgemein verbindlichen Konsens zur
Wirklichkeit verloren gegangen. Jeder
Bericht, Blickwinkel oder jede Meinung
kann sofort nicht nur relativiert, sondern
auch noch diskreditiert, werden. Jene -
auch wissenschaftlich fundierte - Aussagen
(eigentlich egal, denn für alles kann
eine Studie beauftragt werden
) sind
dann geschönt,
fake, gekauft,
befangen, usw. Dadurch haben
wir uns inzwischen die Chance verspielt,
jemals zu den Tatsachen vorzustoßen,
und so finden wir uns nur als Gefolgschaft
in den Blasen der jeweiligen
Influencer wieder.
Im
Fehlen eines allgemeinen Konsens zur
Wirklichkeit - unabhängig von Farbe
und Gefühl - ist mir inzwischen der
Diskurs unmöglich geworden. Ich habe
nicht geahnt, dass es mir inzwischen
ähnlich geht, wie es Johannes vor gut
fünf Jahren ergangen ist. Ich denke,
damals hat ihm die erlebte Unvereinbarkeit
verschiedener Weltanschauungen - etwa
imaginativ-künstlerisches Denken in
Bildern vs. naturwissenschaftliches Denken
- zugeschlagen.
Erstaunlich
ist mir jetzt, aus meinen Erfahrungen
heute diese andere Seite
ahnend erleben zu dürfen
Zum
einen Aufwachen am Anderen
zum
anderen aber sogar schlimmer noch, da
heute dem z.B.
imaginativ-künstlerisches Denken in
Bildern nun nicht einmal bloß eine
andere Anschauung mit Struktur und einer
gewissen Konstistenz und Qualität,
sondern nur mehr eine Herrschende
Leere gegenübersteht
Da
wird "prinzipiell
alles
möglich"
- ein Albtraum für
Anforderungsingenieure und wohl für
redliche Wissenschaftler
gleichermaßen.
Denn
die Naturwissenschaft hat immerhin das
Interesse
an der
Wirklichkeit
und will diese erklären, während
sich in der Herrschenden Leere
das Interesse auf die (Selbst-)
Bestätigung der eigenen, oder schon
kollektiven, Leidenschaften zu
beschränken scheint
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Wie nun damit umgehen ?
Zum
Beispiel habe ich unlängst bei einem
Gottesdienst in Ottakring, in welchem Margit in
ihrem Bläserchor musikalisch mitgewirkt hat,
gehört, dass wir Christen im praktischen
Verhalten die Chance haben, uns nicht von der
Versuchung, Andere(s) zu tadeln,
überwältigen zu lassen und dadurch das
(geglaubt) Böse mit sündhaftem Verhalten
zu behandeln, sondern dem (geglaubt) Bösen
durch das Gute zu begegnen.
Der
Predigttext ist aus dem Römerbrief des Paulus
12, Verse 17 bis 21 gekommen:
Vergeltet
niemanden Böses mit Bösen. Seid auf Gutes
bedacht gegenüber jedermann.
Ist
es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit
allen Menschen Frieden.
Rächt
euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt
[stattdessen]
Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben:
Die Rache ist mein; ich will vergelten,
spricht der Herr.
Vielmehr,
wenn Deinem Feind hungert, so gib ihm zu
essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken.
Wenn Du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf
sein Haupt sammeln.
Lass
Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern
überwinde das Böse mit Guten.
Also
zunächst zugeben, dass mir dieser
konventionelle Diskurs nicht mehr
möglich ist (anstelle kräftezehrender
battle of public opinions
zwischen den Blasen der Influencer und deren
Follower), und im Üben weiterhin Wege zur
Wirklichkeit finden, bzw. den Grip wiederfinden,
sowie die Spannung aushalten, dass mir dessen
Mitteilbarkeit wohl nach wie vor offen bleibt
meine Grenzen akzeptieren und sehen wie es
weitergeht.
Oder
besser ausgedrückt mit den Worten eines
Fußballtrainers (wahrscheinlich Ottavia
Bianchi) von Diego Armando Maradona
bei SSC Neapel:
Mit
Dir, Diego, gehe ich bis ans Ende der
Welt,
mit Maradona aber mach' ich keinen
Schritt.
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