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G E R D s

E L E V E N T Y

W E R D E G A N G

Hoch und Tief zweier Jahreszeiten

als Beispiel einer Übung

Für Gabriele und Rosmarie

 

Seit ein paar Jahren höre ich (Gerd) immer wieder von einem „Hochwinter“, obwohl ich bislang das „Hoch“ nur beim Sommer nachvollzogen habe, während mir der dazu jahreszeitlich gegenüberliegende „Tiefwinter“ vertrauter ist.

Dies deshalb, weil ich hier das Hoch und Tief auf den Jahres-Sonnenlauf beziehe. Im Hoch-Sommer läuft die Sonne auf einer hohen Bahn über dem Horizont. Die Tage sind lang und hell, denn steht die Sonne höher, wirkt sie heller und „weißer“. Im Tief-Winter higegen wandert die Sonne niedriger und kürzer über den Horizont, und sinkt in der Nacht umso tiefer unter den Horizont. Steht die Sonne tiefer, so errscheint sie eher gelb und orange bis ins Rötliche bei Auf- und Untergang. Im Tief-Winter wird sie gar nicht „weiß“, und weiter nördlich geht sie gar nicht mehr auf.

Muss mir deshalb das Wort „Hochwinter“ falsch vorkommen, und ich es wieder mal für eine „Spinnerei“ von abgehobenen (Welt-) Fremden halten, oder lasse ich mir weitere Möglichkeiten offen ? … so im Sinne einer Aufgeschlossenheit … im Üben einer Unvoreingenommenheit ?

 

So wie Oben und Unten ein Paar sind, so verhält sich (mir) dies auch bei Hoch und Tief.

Zum einen lasse ich (meiner sozialen Umgebung) die Möglichkeit, das Lichte mit den Höhen und das Dunkle mit den Tiefen zu verbinden, offen. Im Winter könnte dies das klare Winterlicht bei gleichzeitiger „Kälte“, und das andere die Dunkelheit der Heiligen Nächte bei gleichzeitiger „Wärme“, sein. Auf diese Weise erwächst mir ein Tief- und Hoch-Winter gleichermaßen. Viele verbinden auch schon die Adventzeit mit dem Winter. Da fiele dann auch diese Zeit in den bislang vertrauten „Tief-Winter“.

Der klare und dazu vergleichsweise hellere Hoch-Winter, worin die Tage bereits spürbarar länger werden, fällt (mir) dann in die Jahresstimmung des Wassermann, und der Tief-Winter in die zweite Hälfte des Schützen und in die erste Hälfte des Steinbock, da wo die Tage am kürzesten sind.

 

Zum anderen, wenn es einen Hoch-Winter geben soll, warum dann nicht konsquenterweise auch einen Tief-Sommer ?

Der uns zumeist vertraute Hoch-Sommer fiele dann in die Jahresstimmung des Krebs. Im Tief-Sommer kommt der Sommer so richtig auf die Welt und vermag uns auf Erden zum Gewinn zu werden, etwa in der Landwirtschaft, wie in der zweiten Strophe im Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herbsttag“ erwähnt:

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gib ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Der Herbst als in die Tiefen der Erde gehender Sommer ?

Viele verbinden bereits schon den September mit dem Herbst, bzw. jene Zeit, wo die Hitze einer milderen Wärme am Tage und einer Kühle in den Nächten weicht, also die Tage golden und die Nächte silbern werden.
Mir aber spricht sich darin die Jahresstimmung der
Jungfrau aus, welche im Jahreslauf zum späteren Sommer gezählt wird, und worin die Tage spürbar kürzer werden.

Die dazugehörige Entsprechung aus dem Tagesverlauf ist der späte Nachmittag (für Muslime ab dem Zeitpunkt des Nachmittagsgebetes) bis vor dem Sonnenuntergang, oder mit anderen Worten: Der Tief-Sommer entspricht (auch) der Abenddämmerung mit jener Zeit davor, ab welcher die Farbe der Sonne „golden“ geworden ist und sich nun „orange“ ins Rötliche wandelt … D … ist es ja auch ein „Sommer“, der, bzw. die Sonne, die auf Erden ankommt.

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