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G E R D s

E L E V E N T Y

W E R D E G A N G

Majestix Kinder,

seltsame Geografie und meist dumme Römer

Im Zuge meines vorherigen Vorbeischauens im Dorf der Unbesiegbaren (Bretonen) am Randes eines großen Imperiums oder der „Großen Nation“, beschäftige ich (Gerd) mich nun mit einem Charakter, welcher sich zwischen einem Protagonisten und einem Andersartigen befindet. Die Bandbreite zwischen Asterix und Troubadix ist groß, und so ziemlich in der Mitte, und dennoch bedeutsam genug, erscheint mir Majestix, der Häuptling dieses Dorfes.

Korrekterweise merke ich an dieser Stelle an, dass sich meine Beobachtungen nur bis zum XXX. Band erstrecken, da mich die neueren Abenteuer, welche in diesem Jahrhundert erschienen sind, nicht mehr zur Reise in jene Scheinwelt anziehen.

 

Meistens spricht der Häuptling alle Dorfbewohner mit „Kinder“ an. Doch worauf gründet sich dies, sodass das von allen akzeptiert wird ?

Stehend auf dem getragenen Schild des Vercingetorix überragt er erst mal alle Bewohner durch seine Größe. Aber dies kann nicht der einzige Grund sein, da auch z.B. Miraculix und mitunter Asterix die Bewohner mit „Kinder“ 1) ansprechen. Ihre Größe ist da eine andere, welche nicht im Charakter des Chefs zu wohnen scheint.

Ob Majestix jemals gewählt worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis, doch kann laut den Gesetzen des Dorfes jederzeit ein anderer, neuer Chef mit Stimmenmehrheit gewählt werden 2).
Der Gedanke, dass Majestix den Charakter der Dorfgemeinschaft verkörpert, liegt mir näher als das äußerliche Ergebnis einer Wahl ... oder es würde jene Wahl zu Gunsten einer Person, welche den Dorfgemeinschafts-Charakter am besten widerspiegelt, ausfallen.

So war kurzfristig Gutemiene die Chefin, weil die Gemeinschaft quasi nur aus Frauen bestanden hat 3), und dass Asterix als Protagonist Chef sein soll, ist nicht mal ihm eingefallen, sondern von außen her eingeimpft worden, das jedoch nur zum Streit untereinander geführt hat 4).

In Majestix (emp)finden sich die Dörfler als ihre Gemeinschaft selbst … eigentlich ein altes Ideal für Oberhäupter organisierter Gemeinschaften.

Dabei muss es sich nicht um einen „Alpha“ oder Initiator laut Modelle der Gruppendynamik handeln (dies wäre eher noch Asterix), auch nicht um „Betas“ um den „Alpha“ herum, welche ich einst bei Jochis Club in Villach auf seinen Reisen erlebt habe. Die Dorfgemeinschaft ist weder initiativ, noch verfolgt sie eine Mission. Sie wollen einfach nur so dahinleben … und da eignet sich (mir) eine enneagrammische „Neun“, bei Bedarf mit einem „Achter“-Flügel, ganz gut.

 

Gewissermaßen Kinder scheinen auch die Autoren in Sachen Geografie zu sein, oder verhält sich ihr Asterix Universum wie Phantasien, worüber Michael Ende erzählt hat ?
Jedenfalls begegnen mir als Besucher verschiedener Reisen des Asterix und seinen Freunden seltsame Wege, wie der jeweilige Trupp von einem Ort zum anderen gelangt:

Mir recht einleuchtend erscheint mir der Landweg vom Gallischen Dorf 5) oder von Condate 6) nach Massilia, in dessen Hafen dann die Reise per Schiff zum Bestimmungsort weitergeht.

Weniger einleuchtend erscheinen mit die Schiffsreise zu Orten, welche vom Gallischen Dorf per Landweg erreichbar wären, wie etwa Rom 7) oder Piräus 8) bei Athen. Falls man da nicht die Alpen überqueren und/oder andere Gegenden voller Barbaren durchstreifen möchte, bietet sich zumindest der Weg nach Massilia und danach deren Fortsetzung per Schiff an. Vom Dorf aus über den Atlantik über Gibraltar die Iberische Halbinsel zu umfahren zeigt sich mir als enormer Umweg.

Selbst nach Alexandrien 9) oder zur Heimat 10) des phönizischen Händlers Epidemais ist der Weg über Massilia kürzer als vom Dorf aus über den Atlantik und Gibraltar per Schiff.
Außerdem sind für ihn am Mittelmeer viel mehr Städte erreichbar als am Atlantik jenseits der kultivierten Welt potentieller Abnehmer seiner Waren.

Die Reise vom Gallischen Dorf nach Andalusien, um eine Geisel zu den Seinen zurückzubringen 11), nimmt sich noch komplizierter aus … vielleicht haben sich da Obelix, der gerne intensivere Berührungen mit den Römern sucht, sowie seine beißfreudigen Freunde, die Geisel und Idefix, durchgesetzt ?

Eine Seefahrt per Fischkutter (mit Besorgen der Lebensmittel bei den Piraten) zum Fuß der Pyrenäen erscheint noch sinnvoll. Doch anstatt gleich weiter nach Hispanien zu fahren, endet die Seereise hier.
Im Anschluss werden zu Fuß die Pyrenäen überquert und die Reise nach Sevilla (das damals am Mittelmeer liegende Hispalis), per Heuwagen am Landweg fortgesetzt.

Kurz: Eigentlich hätte nahezu der gesamte Weg per Schiff zurückgelegt werden können. Der ist zwar für einen Fischkutter recht weit, doch wenn die Schiffsreise vom Dorf aus „per Anhalter“ nach Rom geklappt hat 7), so wäre dies für die Reise nach Hispalis sogar einfacher gewesen.

Kann es also sein, dass für das Erzählen gefährlicher Abenteuer umständliche Wege gewählt werden ? Da fehlt mir entweder die Stimmigkeit mit der Geografie ... oder aber der Mut, über das gewohnt Gegenständliche und Belanglose hinauszugehen, denn die originelle Reise nach Indien 12) ist mir schon von zu viel Spott über das darin Besondere abgewertet worden ...

 

… und anstatt eine Chance für Troubadix zu ergreifen, passiert genau das Gegenteil: Er wird auf Geheiß der Mütter im Dorf von einer femininen „Kollegin“ aus Lutetia verdrängt und muss in den Wald ins Exil ausweichen … bis sich die Lage im Dorf wieder normalisiert hat … und so nebenbei Asterix mit beiden Barden einem erneuten Versuch der Römer, das Dorf einzunehmen, begegnen konnte.

Ach ja, die Römer !

Selten werden sie gefährlich für das Dorf, am ehesten bei der „Trabantenstadt“, wo Cäser das Dorf kulturell zu assimilieren versuchen lässt … eine - für gegen die Legionäre auf Nahkampf ausgerichtete Verteidigungsstrategie mit Vergnügungscharakter - unerwartete Richtung, welcher erst spät begegnet werden konnte.

Doch meistens leben die Geschichten von der Dummheit vieler Römer, darunter auch Ranghöhere, wie z.B. zwei Präfekten der Gallier: Der eine will einfach nicht einsehen, dass die unbesiegbaren Gallier einen erheblichen Nachteil haben … nämlich den, dass sie unbesiegbar sind 7). Der andere checkt immerhin deren Unbesiegbarkeit, will sie aber unbedingt durch eine Palisade von der Außenwelt abschneiden, provoziert sie und lässt sich mit ihnen noch auf eine Wette ein 13).

Sie, die ohnedies am Rande des Imperiums nur so für sich dahinleben wollen, einfach in Ruhe, und so für das Imperium irrelevant werden zu lassen, scheitert an der Römer Eitelkeit und wohl auch an den Autoren, weitere Abenteuer aus dem Dorf der Verrückten erzählen zu wollen … und weil dies für Obelix ein Alptraum wäre, erfreut er sich daran, dass die Römer glücklicherweise mehr Verstand als Asterix haben 14), weil sie sich ausgerechnet vor dem Dorf versammelt haben und eine Parade für den Empfang ihres Admirals einüben.

Dabei hätte zumindest Cäser genügend Gründe, zu leben und das Gallische Dorf wertschätzend leben zu lassen, denn unverhofft erhält es seine Macht gegen Egoismen und gegen Korruption mancher Römer … mitunter gleich der Rolle Gollums in Tolkiens „Herr der Ringe“, wo das Entscheidende einfach so passiert … ohne dass irgendwer hierzu etwas forciert.

 

Manchmal geben die Römer sogar zu, dass sie dumm sind. So schluchzt der unglückliche General Strategus am Ende seiner Kräfte: „Sie sind alle so dumm, und ich ihr Chef“ 15).

Wohl um eine gewisse Spannung zu wahren, bekommen die Römer durch mancher Dörfler Dummheit Chancen zum Erfolg, das z.B. im Zusammenspiel mit einem arbeitsscheuen Betrüger 16), einem eingeschleusten Denunzianten 4), einem Häuptling mit situationselastischer Moral 17), sowie durch dominante und besserwisserische Frauen 2) und 3) deutlich wird.

Und wenn sich sogar mal die Dörfler als Römer sehen, um selbstsicher bei Wettkämpfen teilzunehmen 8), begegnen sich beide Dummheiten … Humus für weitere Geschichten, welche mich jedoch kaum mehr zu Besuchen des Asterix Universums einladen. Doch denen bis etwa zum XXX. Band bleibe ich treu. Sagt doch Obelix so treffend:

„Weißt du was, Idefix ? Seit Asterix und Miraculix Römer geworden sind, spinnen die auch !“

... „Wau !“

aus:
  1. Obelix Gmbh & Co. KG
  2. Das Geschenk Cäsars
  3. Asterix und Maestria
  4. Streit um Asterix
  5. Asterix auf Korsika
  6. Asterix als Legionär
  7. Asterix als Gladiator
  8. Asterix bei den Olympischen Spielen
  9. Asterix und Kleopatra
  10. Die Odyssee
  11. Asterix in Spanien
  12. Asterix im Morgenland
  13. Tour de France
  14. Obelix auf Kreuzfahrt
  15. Asterix und die Goten
  16. Der Seher
  17. Asterix und der Kupferkessel

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