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G E R D ' s

E L E V E N T Y

W Ü S T E N S C H I F F

Aufgetaucht

für Martina

 

Vor rund zwei Jahren habe ich von einem Spaziergang in Kärnten erzählt, worin ich aus den mich umhüllenden Schatten des Waldes bergauf gegangen und dann ebenen Weges auf eine lichte Wiese gekommen bin. Da sind Hüllen, zum Beispiel das „Kopftuch“ im übertragenem Sinn, gleich Schuppen von den Augen, gefallen.

Aber auch sonst im Alltag in Wien bemerke ich inzwischen, dass mir Manches viel klarer geworden ist - gar nicht nur Sachverhalte, welche ich verstandesmäßig erfasse oder darüber spreche, sondern auch einfach nur im Blicken.

Oder, wenn ich aus (m)einem Grübeln vielen Diskutierens - egal, ob mit mir selbst, oder mit eine(r) meiner Projektleiter(innen) - wieder auftauche.
Oder, wenn sich mir mitunter die Möglichkeit eröffnet, in den Sog des Grübelns gar nicht mehr so eintauchen zu müssen …

Mir scheint, im Spaziergang oder im Alltag, bin ich dann aus einem etwas mich Umhüllenden heraus geschritten.
Wo bin ich da zuvor gewesen ? Eine Antwort bietet sich in der Betrachtung des unteren Bildes.

 

 

 

Da blicke ich also vorwiegend auf jene von oben her in einem blauen Schleier eingehüllte Tiefen zurück.
Dieses blaue Tuch bildet dabei eine Grenze zwischen den Tiefen „darunter“ und der mir klarer wirkenden Domäne, in der ich mich jetzt gerade befinde, „darüber“.

Aus den Tiefen … wie so ein See aus Gefühlen, Gedanken … des Umbewussten … oder einer Melodie, einer dahinströmenden Musik, wie ich sie gerne aus dem Netz aufnehme … steigt Manches auf, oder reicht vom Grund her bis zur Hülle. Dunkle Gebilde werden eingehüllt, sind darunter „gefangen“. Manches, schon Helleres, schwimmt darunter … oder schwimmt es schon oben auf ?

Aus dem See zum Lichte … Manche Gebilde, sich auf einem Sockel befindend, oder schwimmend, wie etwa rechts oben im Bilde, treten schon aus dem See hervor. Sie streifen die Hülle ab.

Weiter hinten reichen Berge aus der Tiefe heraus … Eisberge oder Berge vom Grund bis eben über die Hülle hindurch hinauf ?

Ganz vorne steigen Luftblasen auf …

 

So meine ich, drei Möglichkeiten zu erblicken:

* Den Berg, jener Sockel, welcher in jenes, worin ich aufgetaucht bin, hineinreicht.

* Das Schwimmende, das auf der Hülle aufschwimmt und sich mit den Wellen einer unruhigen See mitbewegt.

* Die Luft, die aus dem See aufsteigt, Jenes, worin ich aufgetaucht bin, passiert und in den hellblauen Himmel entschwebt.

 

Und ich ?

Stehe ich also auf einem Sockel ? Bewusst … und jetzt in Ruhe beharrend von der aufgewühlten See endlich erlöst ?

Schwimme ich auf der Hülle obenauf, bin an der Grenze und lasse mich treiben ? … Hm, nein, ich denke nicht (dass dem so ist), denn sonst könnte ich ja nur bis zur nächsten Welle sehen.
Befinde ich mich also auf einem schwimmenden Eisberg ? … Der jederzeit zu kippen vermag und mich wieder in die See unter deren Hülle mitreißen könnte ?

Steige ich gerade in den Himmel auf ? … Bin ganz Luft, lasse mich von den Winden emportragen ? Passiere ich nur ein bewusstes Dazwischen auf Erden … und werde dann sobald im Himmel sein ?

Was ist mir lieber ? … Was ist ?

 

Ist es keine der drei erblickten Möglichkeiten ?
Habe ich mir aus dem Herausschreiten ins Bewusste selbst eine geschaffen ?

Ich lebe die vierte Möglichkeit - und keines der drei anderen: Ich bin anders.
Ich stehe weder auf einem Sockel, noch schwimme ich (weder selbst, noch auf einem Eisberg verweilend), und ich entschwebe auch nicht in den Himmel davon.

Ganz souverän bin ich da … Aber auf welcher Grundlage ?

 

Oder sind es alle drei erblickten Möglichkeiten ?

Ich bin auf einem Sockel gestanden, in beharrender Ruhe ganz Berg - das Gegenstück zum See - sein, mit der Erde verbunden und zugleich unter freiem Sternenhimmel …
Ich bin obenauf dahingeschwommen, wach-träumend in strömender Musik aus den Klängen des Sees, mal untertauchend nass geworden und mal wieder aufgetaucht das Licht des Himmels erblickt …
Ich habe mich schwebend und leicht, mal schnell laufend, und auch mal langsam im Gefühl hinziehen lassen - ganz offen vom Umkreis getragen … Himmel und Erde geküsst …

Mag es gelingen, diese Möglichkeiten zu vereinen ? Etwa ein Viertes aus dem Rund der Bandbreite oder dieses Mal in einer Kreuzung zu vollziehen … ?

Kann ich im Augenblick nicht sagen …

Da müsste ich erst mal aus der Betrachtung und den Überlegungen dazu zu diesem Augenblicke ... wieder auftauchen.

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